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Kaukasuskrieg 2008. Russland und Georgien kämpfen um die nach Unabhängigkeit strebende Region Südossetien. Die meisten der seit Generationen in Südossetien wohnenden Georgier werden von russischen Truppen aus ihrer Heimat vertrieben. Nach nur wenigen Monaten Aufenthalt in temporären Flüchtlingslagern in und um Tiflis können die Vertriebenen in hastig gebaute Neubausiedlungen ziehen.

Die größte von ihnen, 2000 baugleiche Häuser, befindet sich in Tserovani. Hier gibt es zwar eine Schule, medizinische Versorgung und ein Restaurant, aber keine Arbeitsplätze. Die örtliche Kirche ist noch im Bau; die halbstündige Fahrt mit der Marschrutka zum Gottesdienst in Tiflis stellt einen unerschwinglichen Luxus dar.

Die Menschen in Tserovani sind Gestrandete. Nach zwei Jahren Leben in der Siedlung ist eine Rückkehr in die alte Heimat auf Grund der politischen Lage fast ausgeschlossen – und für den Aufbau einer neuen Existenz in Tserovani bzw. Georgien mangelt es an beruflichen Perspektiven.

Dennoch scheint so etwas wie Alltag einzukehren in einer Siedlung, in der eigentlich niemand sein möchte: Blumengärten werden angelegt, eigenes Gemüse gepflanzt, Häuser durch Anbauten erweitert, Schnaps gebraut und Truthähne gezüchtet – um sie am Neujahrstag zu verspeisen. Gemeinsam mit der neuen Nachbarschaft.