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Nicht zuletzt wegen der regelmäßigen Skandale in der Lebensmittelindustrie ist der eigene Gemüseacker im Garten seit einiger Zeit wieder en vogue. Dennoch zählt der konsequente Selbstversorger weiterhin einer zu vernachlässigenden Minderheit an. Für seine Fotoserie »Eigenbedarf« hat Heinrich Holtgreve nun eine ganz besondere Form der privaten Landwirtschaft aufgespürt:

Haschischplantagen in Wäscheschränken, selbstgebauten Buden und hinter Verschlägen verweisen auf eine zunehmende Verbreitung dieser illegalen Anpflanzungen. Laut § 31 des Betäubungsmittelgesetzes ist der legale Eigenbedarf von Haschisch oder Marihuana in NRW derzeit auf 10 Gramm pro Person begrenzt. Das Anpflanzen und Handeln dieser Suchtmittel ist jedoch verboten. Geheimnisvoll strahlt es aus den abgelegenen Winkeln verschiedener Wohnungen. Während die Pflanzen und die Anlagen selbst weitestgehend im Verborgenen bleiben, kann der Betrachter in den zahlreichen Details der Habseligkeiten auf die Persönlichkeiten der verschiedenen »Homegrower« schließen.

Ganz im Gegensatz zu den heute medial weit verbreiteten Bildern eines idyllischen Kleingartens, die oftmals eine romantisch verklärte Subsistenzwirtschaft in Deutschland heraufbeschwören, eröffnen diese Gegenstände als Dokumente des Alltags einen eher ernüchternden Blick auf die Umgebung dieser zeitgenössischen »Kleinbauern«.

Text: Friederike Fast, Museum Marta Herford – erschienen im Katalog zur Ausstellung OWL3 – Nutzflächen.